Mehr Platz für biologische Vielfalt
2026 bis 2028 werden im Stadtgebiet Naturwiesen entstehen. Sie sollen helfen, die Artenvielfalt im Siedlungsraum - von den heimischen Pflanzen, über die Insekten bis hin zu Vögeln und Fledermäusen - zu stärken und bestehende wertvolle Naturflächen vom Eichkogel bis zum Kalenderberg besser miteinander zu vernetzen.
Die Stadt Mödling ist Teil der KLAR! Modellregion Thermenlinie (Klimawandel-Anpassungsregion/www.modellregion-thermenlinie.at). Im Rahmen dieser Zusammenarbeit wurde ein regionales Biodiversitätsprojekt entwickelt, das über den Biodiversitätsfonds des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz (BMLUK) gefördert wird.
Die fachliche Planung und ökologische Begleitung erfolgt durch die Biolog:innen des Landschaftspflegevereins Thermenlinie-Wienerwald-Wiener Becken.

FAQ – Naturwiesen in Mödling
Was sind Naturwiesen?
Naturwiesen sind naturnah gestaltete Grünflächen mit heimischen, regionalen Wildblumen und Gräsern. Sie werden extensiv und tierfreundlich gepflegt und bieten wichtigen Lebensraum für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten.
Wo entstehen Naturwiesen in Mödling?
In Mödling werden insgesamt 12 öffentliche Grünflächen zu Naturwiesen umgestaltet.
Die Flächen liegen verteilt im Stadtgebiet, unter anderem:
- entlang der Bertha-von-Suttner-Promenade
- im Bereich des Seniorenparks
- rund um Untere Bachgasse / Duursmagasse
- im Arnold-Schönberg-Park
- entlang der Franz-Gschmeidler-Promenade
Gemeinsam bilden sie ein vernetztes System an Biodiversitätsflächen, das wertvolle Naturflächen wie Eichkogel und Kalenderberg untereinander und mit weiteren artenreichen Naturwiesenflächen in den Nachbargemeinden verbindet.

Warum werden diese Flächen umgestaltet?
Die biologische Vielfalt ist unsere Lebensgrundlage. Die Natur bietet uns eine Vielzahl an Dienstleistungen wie Bestäubung unserer Nahrungspflanzen, Luft zum Atmen, gesunde Böden, Trinkwasser, Kühlung, Abbau von Schadstoffen und vieles mehr, die mit Geld nicht aufzuwiegen sind.
- Heute ist die biologische Vielfalt durch viele Aktivitäten des Menschen stark unter Druck. Zahlreiche Pflanzen-, Tier- und Pilzarten sind gefährdet. Das allseits bekannte Insektensterben, also der Rückgang der Insektenmenge um rund 75% seit den 1970er Jahren, ist nur einer der vielen Probleme. Damit sind auch die Ökosystem-Dienstleistungen für uns Menschen gefährdet.
- Die Thermenlinie ist durch ihre Lage zwischen Alpen und Pannonischem Raum ein europäischer Biodiversitäts-Hotspot mit besonders vielen seltenen Arten, die auf Schutzmaßnahmen angewiesen sind.
- Die Naturwiesen im Siedlungsraum sind Bausteine im Netz des Lebens. Bereits kleine Naturwiesenflächen leisten einen großen Beitrag zur Förderung der Pflanzen- und Insektenvielfalt.
- Naturwiesen sind sogenannte Biodiversitäts-Trittsteine und verbinden wichtige Naturgebiete und weitere Naturwiesenflächen im Siedlungsraum enger miteinander. Sie ermöglichen sie den wichtigen genetischen Austausch von Tieren und Pflanzen. So können sich Arten an Veränderungen wie den Klimawandel besser anpassen.
Was passiert auf den Flächen konkret?
Die bestehenden Rasenflächen werden schrittweise ökologisch aufgewertet:
- Umstellung der Mahd je nach Fläche auf 1-2 x pro Jahr und
Wo notwendig zur Verbesserung der heimischen Pflanzenvielfalt:
- Vorbereitung des Bodens (z. B. Abtragen und Fräsen)
- Einsaat von REWISA zertifiziertem, regionalem, heimischem Wildblumen-Saatgut (https://www.rewisa-netzwerk.at/)
- Entwicklungspflege in den ersten Jahren d.h. Entfernen unerwünschter aufkommender Arten, allfällige mosaikartige Mahd und Schröpfschnitt u.a.
- Mahd je nach Fläche 1-2 x pro Jahr
So entstehen artenreiche, standortangepasste Naturwiesen.

Welche Vorteile haben Naturwiesen?
Naturwiesen leisten einen wichtigen Beitrag zu:
- Förderung der Insektenvielfalt darunter viele Bestäuber wie Wildbienen, Schmetterlinge, Käfer, Schwebfliegen
- Verbesserung der Lebensräume für Vögel und Kleintiere wie Igel und Eidechsen durch ein größeres Nahrungsangebot
- gesunden Böden und besserer Kohlenstoff- und Wasserspeicherung
- Kühlung und Klimaanpassung im Siedlungsraum
Warum wird weniger oft gemäht? Worauf wird bei der Mahd geachtet?
Naturwiesen werden bewusst seltener gemäht, denn viele Pflanzen vertragen keine häufige Mahd. Um langfristig leben zu können, müssen sich Pflanzen vermehren und Samen bilden können, denn auch Pflanzen haben ein begrenztes Alter. Das ist entscheidend für die Artenvielfalt. Was manchmal „wild“ und ungewohnt aussieht, ist reich an vielen kleinen Lebensräumen und ein wichtiger Beitrag zur Förderung vieler verschiedener Lebewesen.
Warum werden Naturwiesen überhaupt gemäht?
Wiesen-Lebewesen sind an Mahd angepasst und brauchen das Mähen für ihr Überleben. Die Mahd darf aber nicht zu häufig sein, zum richtigen Zeitpunkt erfolgen und richtig ausgeführt werden.
Werden Wiesen nicht gemäht, verdrängen zuerst konkurrenzkräftige Gräser die bunt blühenden krautigen Pflanzen. Die im Herbst absterbenden Gräser bilden eine immer dickere Streuschicht, die auch die Keimung blühender Kräuter verhindert, denn für diese sind offene Bodenstellen und viel Licht notwendig. Diese auch für viele Wiesen-Tierarten wichtigen offenen Bodenstellen verschwinden. Dann kommen Schritt für Schritt Gebüsche auf. Die Fläche entwickelt sich letztlich zum Gehölzbestand.
Wer finanziert das Projekt?
Die Umsetzung erfolgt mit Mitteln des Biodiversitätsfonds des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft. Zusätzlich leisten die KLAR!-Region Thermenlinie und die Gemeinden umfangreiche Eigenbeiträge – ein wichtiger Faktor für die langfristige Umsetzung und Pflege der Flächen. Die Biolog:innen des Landschaftspflegevereins bringen ihr umfassendes und langjähriges Knowhow in der Pflege und Anlage von Naturwiesen in das Projekt mit.
Links:
www.landschaftspflegeverein.at
www.rewisa-netzwerk.at
https://www.modellregion-thermenlinie.at/klimawandelanpassungen-in-der-region/
